Die Maremma

Maremma nennt heißt der Südwesten der Toskana, vor allem die Provinz Grosseto. Der Name stammt aus Römer-Zeiten und leitet sich ab von Marittima, was soviel bedeutet wie „am Meer“. Auch heute findet man diesen Begriff in vielen Ortsnamen, obwohl Städtchen wie Campiglia oder Civitella Marittima überhaupt nicht mehr an der Küste liegen.

Die Maremma ist rustikaler und ursprünglicher als das überlaufene Chianti-Gebiet, mit seinem manchmal schon ein wenig geleckt wirkendem Schick. Jahrhunderte lang war das Schwemmland an der Küste sumpfig und unzugänglich, das Bergland rückständig und galt als Refugium von Hexen, Wilddieben und Schmugglern. Für den Tourismus wurde es erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckt und ist immer noch ein Geheimtipp für die Liebhaber des authentischen Italien. Ein Landstrich mit Charakter.

Die Küste der Maremma bietet Abwechselung: von den feinen Sandstränden bei Cecina und San Vicenzo bis nach Capalbio an der Grenze zu Latium, wo sich im Sommer traditionell die italienische Linke trifft, um gemeinsam baden zu gehen. Dazwischen liegen so spektakuläre Orte wie das typisch italienische Familienbad Castiglione della Pescaia oder die spanisch geprägte Lagunenstadt Orbetello, wo im Herbst und im Frühjahr Zugvögel rasten. Und nicht zu vergessen der Golf von Baratti bei Piombino, der Seglerhafen Punta Ala und der Naturpark der Maremma, wo Fischadler und Reiher brüten und man Wildkatzen, Marder, Wild – und Stachelschweine trifft.

Vor der Küste ragt ein Archipel von Inseln aus dem Thyrrenischen Meer: Elba mit seinen blauen Buchten, Giglio, an des schroffen Felsen die Costa Concordia strandete und der Monte Argentario, wo sich die reichen Römer tummeln. Bettenburgen und Betonwüsten wie an Riviera und Adria findet man hier nicht. Dafür aber malerische und sogar noch einsame Strände, die regelmäßig wegen des sauberen Wassers die Blaue Fahne des Umweltverbands Legambiente verliehen bekommen.

Das Landesinnere ist altes Etruskerland, jenes rästelhaften Volkes, das uns keine Schrift, aber viele Nekropolen hinterlassen hat. Bei Pitigliano wurden sie in den Tuffstein gehauen. Von Massa Marittima im Norden bis nach Sorano findet man Zeugnisse dieser untergangenen Kultur. Thermalbäder rund um den Monte Amiata, den höchsten Berg der Toskana, machten schon den Römern das Leben angenehm. Saturnia ist das mondänste. Doch gleich neben den Luxushotels liegen die Sinterterrassen der Cascate del Molino, wo Kreti und Pleti gratis abhängen und nicht mal für den Parkplatz zahlen müssen. Und das höchste der Gefühle im Winter: Nach einem Pulverschnee-Tag an den Skihängen des Monte Amiata sich wohlig im 37 Grad heißen Wasser von Saturnia räkeln und sich von den Strudeln den Rücken massieren lassen.

Die Maremma hat schon einiges zu bieten.

Weitere Informationen:

maremmageheimtipp.wordpress.com/

de.wikipedia.org/wiki/Maremma‎